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"das Kleinod der Foyers de Charité"
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In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sagte Marthe zu Père Livragne, einem Oratorianerpriester, der nach Châteauneuf kam, um hier Exerzitien zu geben: "Alle Christen sollen am Leiden Christi teilhaben, um an ihrem eigenen Leib zu ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt. Ich bin nur ein Zeichen, ein Aufruf für alle Christen." Wir nennen diesen "Aufruf" inzwischen die Fundamentalexerzitien. Père Finet sagte: "Exerzitien der Christenheit", um zu unterstreichen, dass sie für alle Christen geeignet ist. Die Bedeutung des Wortes Christenheit hat sich weiter entwickelt und verengt. Heute sprechen wir lieber von den Fundamentalexerzitien, in dem Sinn, dass sie die Fundamente legen, die Grundlagen für das ganze christliche Leben: sie entsprechen genau dem, was die erste christliche Generation das Kerygma nannte; sie beinhalten in fünf vollen Tagen den Katechismus der katholischen Kirche, jenes Werk, das der Heilige Vater als "Bezugspunkt für die Christen des dritten Jahrtausends" vorstellte. Unter den Kirchenvätern halte ich den hl. Irenäus für ein Vorbild und einen Meister: mit seinem Erweis der apostolischen Verkündigung und den Kapiteln 3 und 4 von Adversus Haereses verstand er es, der Kirche, den Christen, die von der Gnosis hin- und hergezogen wurden, die von ihm so genannte "Symphonie des Heiles" geben. Diese Fundamentalexerzitien präsentiere ich den Teilnehmern auch als "Wirbelsäule des Christen", die alle Dimensionen und Hauptforderungen eines christlichen Lebens in der Welt als Antwort auf das Evangelium fest und zugleich elastisch zusammenhält: " Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt 5,48). In Afrika empfehlen mehrere Bischöfe allen ihren Katechisten und Seminaristen im Propädeutikum diese Exerzitien.
Ich lasse auf jeden Fall Père Finet sprechen, damit er selbst diese Exerzitien vorstellt, die er in einem Zeitraum von 53 Jahren, von den ersten im September 1936 bis zu den allerletzten im Januar 1990 gehalten hat. (Er ist am 14. April 1990 gestorben). Da es viel zu sagen gibt, hier die Übersicht:
1. Quellen und Entwicklung
der Fundamentalexerzitien
2. Ihre Kennzeichen
3. Inhalt und Zusammenhang der Unterweisungen
Mein Wunsch ist es, Ihnen zu zeigen, dass diese Exerzitien ein geeignetes Mittel sind, auf die großen Bedürfnisse der Kirche zu reagieren, die Apostel in der Welt heranbilden will. Diese braucht man in der Mission und überall, in allen Lebensmilieus und allen Ländern.
Die Verkündigung des Evangeliums erfordert einen "persönlicheren und reiferen, reflektierten und überzeugten Glauben ... Die Christen sind also aufgerufen, einen Glauben zu kultivieren, der ihnen erlaubt, sich kritisch mit der gegenwärtigen Kultur auseinander zu setzen und ihren Verführungen zu widerstehen; die Bereiche von Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wirksam zu beeinflussen; deutlich zu machen, dass die Gemeinschaft der Mitglieder der katholischen Kirche untereinander und mit den anderen Christen stärker ist als jedes ethnische Band; den Glauben voll Freude an die jungen Generationen weiterzugeben; eine christliche Kultur aufzubauen, die in der Lage ist, die vielschichtige Kultur, in der wir leben, zu evangelisieren." (Joh. Paul II. , Ecclesia in Europa, Nr. 50).
I. Quellen und Entwicklung der sogenannten Fundamentalexerzitien
Wir verfügen über
sechs Exerzitien, die von Père Finet gehalten wurden, fast
komplett auf Tonband aufgenommen, von 1965, 1968, 1973, 1976,
1978 und die letzte von 1981.
Dazu kommen zahlreiche Kassetten bzw. Tonbänder mit Vorträgen,
die vor der Gemeinschaft, vor Schülern oder Eltern von Schülern
gehalten wurden.
Von1940 an besitzen wir auch Aufzeichnungen von Teilnehmern und
Foyerpères, die sich das Wesentliche aus diesen Vorträgen
aufschreiben konnten.
Außerdem hat Père Finet viel aus seinen persönlichen
Notizen als Exerzitienteilnehmer geschöpft, mit seiner schönen
und regelmäßigen Handschrift festgehalten, ebenso aus
seiner Lektüre, insbesondere den lehramtlichen Texten, den
Unterweisungen der Päpste und Bischöfe. Das war seine
Art, eine Unterweisung "der Kirche, der Kirche, der Kirche"
zu geben, und nicht in erster Linie die Ansichten einer Person
oder einer Gruppe. Zur Entspannung seiner Zuhörer ließ
er sich auch stark von seinen Reisen anregen, oder von Einzelheiten
aus seinem Leben oder seiner Familie, selbst auf die Gefahr hin,
den Erinnerungen manches hinzuzufügen... Und nie haben die
Exerzitienteilnehmer jenen kleinen Satz vergessen, der alles zusammenfasste:
"Die Freude der Liebe ist die Freude des Austausches".
"Die Wahrheit ohne Liebe macht hart; die Liebe ohne Wahrheit
verdirbt". "Freund, halte deine Sehnsucht nicht auf".
"Leben heißt empfangen, um zu geben".
Man kann sagen, der Père hat seine Exerzitien unablässig
ausgebaut und stets verbessert. Ab 1936 greift er zurück
auf die Ignatianischen Exerzitien, die er beispielsweise in Notre
Dame d'Ay mitgemacht hat. Und allmählich nahmen seine Exerzitien
ihre Form an und entwickelten sich, insbesondere dank der Fragen
und vertraulichen Mitteilungen zahlreicher Exerzitienteilnehmer
und Beichtkinder, nicht zu vergessen seine täglichen Treffen
mit Marthe, die ebenfalls Bemerkungen machte, Akzente setzte und
ihre Zustimmung oder Ablehnung äußerte. Dies ging so
weit, dass man sagen kann, die Unterweisung stammt von beiden
zugleich, wenn man auch unmöglich unterscheiden kann, was
von wem stammt.
Père Finet hat mit dem Faden, den er von den Exerzitien
des hl. Ignatius aufgenommen hatte, Stück für Stück
seine Exerzitien zusammengestellt. Freilich, um etwas aufzubauen,
braucht man Material; man braucht auch ein Ziel; sein Ziel war,
wie wir noch sehen werden, "dass die Gläubigen zu Aposteln
werden". Diese Worte stammen von Marthe, aus ihrer ersten
und entscheidenden Begegnung am 10. Februar 1936:
« In der zweiten Stunde schlug sie [Marthe] einen anderen
Ton an und sprach mit mir über die schmerzlichen und erfreulichen
Ereignisse, die geschehen sollten. Ich nenne hier, was sie mir
an erfreulichen Ereignissen sagte. Sie kündigte mir insbesondere
ein neues Pfingsten der Liebe an, dem eine tiefe Erneuerung der
Kirche vorausgehen sollte, und das von einer großen missionarischen
Begeisterung gekennzeichnet sein werde, in dem sich zahlreiche
Laien in diesem Apostolat einsetzen würden.
,Aber wer wird diese Laien heranbilden?' ,An vielen Orten,
gab sie mir zur Antwort, insbesondere in den Foyers des Lichtes,
der Nächstenliebe und der Gottesliebe'. Zum ersten Mal hörte
ich diese Bezeichnung. Später verstand ich, dass das Licht
die Unterweisung des Priesters war, die uns zur Liebe Gottes führen
sollte. Dazu muss man aber zuerst die brüderliche Liebe üben.
Das haben wir zusammengefasst in dem Namen: Foyers de Charité.
Es war 16 Uhr... Marthe sah mich mit Bestimmtheit an und sagte:
,Herr Pfarrer, ich habe Ihnen von Gott eine Bitte auszurichten:
Sie sind es, der nach Châteauneuf kommen und das erste Foyer
de Charité gründen soll'. In meiner Überraschung
erwiderte ich: ,Aber ich gehöre nicht zu dieser Diözese!'
,Was kann das ausmachen, wenn Gott es will'. ,Oh, entschuldigen
Sie, daran habe ich nicht gedacht! Aber was soll ich da tun?'
,Viele Dinge, sagte sie mir, vor allem Exerzitien halten'.
,Das kann ich nicht.' ,Sie werden es lernen'. ,Exerzitien
über drei Tage?' ,Nein, antwortete sie, denn in drei
Tagen verwandelt man keine Seele. Die Gottesmutter wünscht
fünf volle Tage'. ,Aber für wen sind diese Exerzitien
gedacht?' ,Am Anfang für Frauen und Mädchen'.
,Aber zwischen den einzelnen Vorträgen, antwortete ich, soll
ich da Gruppentreffen organisieren, damit die Teilnehmer ihre
Eindrücke austauschen können?' ,Nein, sagte sie
mir, die Gottesmutter wünscht vollständiges Schweigen'.
,Wie soll ich denn von Frauen verlangen, fünf Tage lang zu
schweigen?' Sie sagte mir: ,Aber wenn es doch Gott so wünscht...'.
,Oh, entschuldigen Sie, daran habe ich nicht gedacht'. Ich musste
also zusagen.
,Wo soll ich diese Exerzitien halten?' ,Für den Anfang
in der Mädchenschule'. ,Ist sie dafür eingerichtet?'
,Nein, sagte sie mir, man muss vieles ausbessern'. ,Aber
wer führt denn diese Arbeiten durch?' ,Sie selber'.
,Aber mit welchem Geld?' ,Machen Sie sich keine Sorgen,
die Gottesmutter wird darüber wachen'.
,Wie soll ich Exerzitienteilnehmer in dieses unbekannte Dorf bringen?'
,Die Gottesmutter selbst wird sie Ihnen schicken'. ,Wann
soll ich diese ersten Exerzitien halten?' ,Von Montag, 7.
September (1936) bis zum Sonntag darauf'. ,Ich kann es nicht ablehnen,
aber ich muss noch die Erlaubnis meiner Oberen einholen'.
,Oh ja! Sie müssen sich unter den Gehorsam stellen'. Als
ich aus dem Zimmer von Marthe herauskam, dachte ich mir: ,Was
für ein Abenteuer!', aber ist der Glaube nicht oft ein Abenteuer?"
Bis zum Ende seines Lebens kam der Père immer wieder auf
seine erste Begegnung mit Marthe zurück, wie man zu einer
nie versiegenden Quelle zurückkehrt.
In den von ihm gehaltenen Exerzitien verstand er es, aus allem, was er empfangen hatte, seine besondere Mischung zu bereiten. Man kann besonders hervorheben, was dazu an Beiträgen kam durch:
1. Père Joseph Babolat,
den er 1925 bei Exerzitien in der Kartause von Sélignac,
im Departement Ain, kennen gelernt hatte. Zusammen haben sie 1938,
also in der Zeit, als Père Finet hier in den Ferien damit
begann Exerzitien zu halten, ein kleines Meisterwerk geschrieben:
"Die katholische Glaubenslehre". Ich denke, dass die
Redaktion dieses Buches ihn für seine ersten Exerzitien sehr
stimuliert hat.
2. Père Monier, ein Jesuit, der zwischen 1948 und
1968 hier Exerzitien hielt. Er war eine Art Prophet. Er besaß
eine große Offenheit. Man findet hier und da bei Père
Finet Sätze, die immer eine Offenheit zeigen, wie etwa diesen:
"Sie kommen nicht hierher, um in ihren kleinen Gewohnheiten
einzuschrumpfen, sie kommen hierher, um auf dem weiten Ozean Luft
zu holen, um entdecken zu können, wie groß, weit, tief
die Liebe Christi ist. Die Kirche ist kein Geschäft und kein
Hinterhofladen. In die Kirche treten Sie nicht ein, um sich unterzustellen.
Sie kommunizieren mit Christus, und Christus sagt Ihnen, dass
er der lebendige und wahre Weg ist".
Père Monier war sehr paulinisch, und dies half dem Père,
den heiligen Paulus zu vertiefen, so dass er oft sagte: "Man
muss Johannes durch Paulus und Paulus durch Johannes erklären".
Père Monier machte ihm die Radikalität der Bergpredigt
klar.
Es war bei Exerzitien, die 1952 von Père Monier gehalten
wurden, dass Père Finet eine Eingebung erhält und
weiter entwickelt, die ihn sehr geprägt hat. Ich zitiere
Père Monier nach den Aufzeichnungen von Père Finet:
"Man muss Gott in seinem Denken begegnen, in seinem göttlichen
Willen, in seinen göttlichen Taten. Sonst stochert man ins
Leere. Man muss sich also in Freiheit mit dem Denken Gottes und
seinem Plan für die Welt verbinden. Es gibt nur einen Plan,
den Plan Gottes, wie es Paulus im Epheserbrief ausgeführt
hat." Von diesem Tag im Jahr 1952 an wird Père Finet
seine Exerzitien ganz von Gottes Plan her aufbauen; Wort für
Wort, manchmal in langen Exkursen, wird er den Hymnus am Anfang
des Epheserbriefs kommentieren.
3. Weitere große Etappe von 1965 an, das Konzil:
der Père nahm das Konzil mit Freude, ja Enthusiasmus auf,
als Erhörung seines und des Gebets von Marthe. Er hat seine
Arbeit mit viel Interesse verfolgt. Das Konzil hat ihn in gewisser
Weise in seinen Gedanken bestärkt und in dem, was die Foyers
lebten, besonders die Berufung der Laien in der Kirche.
Deshalb sprach er ab 1966, vom Dienstag Morgen an von der Berufung
der Laien nach "Lumen Gentium", und stützte sich
dabei auf den Artikel "Volk Gottes", der in der Zeitschrift
Missi erschienen war; 1967 machte er sich den Vortrag von
Paul VI. bei einem Weltkongress für das Laienapostolat, seine
Enzyklika über die Evangelisierung und sein Credo zu eigen.
1976 verwendete er auch ausgiebig einen Vortrag von Bischof Honoré
über den "Geist des 2. Vatikanums".
4. Noch viele andere Exerzitienmeister haben ihn stark geprägt,
so sehr, dass er von ihnen manchmal den einen oder anderen auch
langen Vortrag in Gänze aufgegriffen hat: der Jesuit Père
Varillon, der Oratorianer Père Livragne; der Jesuit Père
Fournier; der Dominikaner Père Marie-Dominique Philippe,
ein Professor an der Universität Fribourg. Père Finet,
der sehr johanneisch geprägt war, ist in seine Gedanken tief
eingedrungen, und übernahm vieles von ihm. Im Kontakt mit
Père Philippe hat er auch den von ihm so genannten Kontext
des Lebens und die Atheismen erheblich weiter entwickelt.
Dies sind die Quellen und die Entwicklung der sogenannten Exerzitien
der Christenheit. Ich meine, dass wir als Foyerpères hier
ein schönes Beispiel für eine kontinuierliche Weiterbildung
vorfinden; ich bewundere es und bemühe mich, es ebenso zu
machen.
II. Die Kennzeichen dieser Exerzitien
Ich zitiere Père Finet,
wie er sich im November 1968 an die Exerzitienteilnehmer wendete.
Es ist Dienstag, also zu Beginn der Exerzitien:
« Diese Exerzitien haben eine kleine Eigenheit in dem Sinn,
dass wir Ihnen hier eine Synthese geben, und eine Zusammenfassung
der Lehre. Man verlangt von Ihnen weniger, Punkte im Gebet zu
meditieren und zu durchdenken, sondern in den Foyer de Charité
ist es mehr eine Unterweisung, die wir Ihnen geben. Denn die Foyers
de Charité sind vor allem Foyers des Lichtes. Und nach
dem Wunsch des Herrn selbst für alle Foyers ist es unsere
Berufung, zunächst Foyers des Lichtes zu sein, das heißt
Foyers, in denen man unterweist. Man unterweist auf zweierlei
Art: zuerst durch das lebendige Zeugnis einer christlichen Laiengemeinschaft
(wir sind hier 120). Und zweitens, durch die Unterweisung, die
durch den Père der Gemeinschaft denen gegeben wird, die
kommen, um eine Vertiefung der Botschaft Christi zu suchen, und
diese Unterweisung geschieht im Laufe von 21 Vorträgen, und
diese 21 Vorträge sind untereinander verkettet, der eine
verlangt nach dem nächsten. Sie verstehen sicher, wenn ich
Ihnen zum Beispiel in einem Vortrag sage, dass man zum Beten in
sein Zimmer gehen, schweigen und die Türe schließen
soll, Sie den anschließenden Vortrag erwarten müssten,
in dem ich sagen werde, dass zwei oder drei im Namen Christi versammelt
sein sollten, um vom Vater erhört zu werden. Sie begreifen:
man muss auf beiden Füßen gehen. Ab und zu werde ich
auf dem linken Fuß gehen, ab und zu auf dem rechten. Aus
diesem Grund muss man genau bedenken, dass die Kraft der Botschaft
Christi in ihrem Gesamt liegt. Was wir hier tun, sehen Sie, das
ist außerordentlich wichtig, und es ist gerade dann sehr
wichtig, wenn Sie an Ihre große Berufung denken, auf die
ich noch zurückkommen werde.
Aber in jedem Fall halte ich mich von Anfang an bei diesem Vortrags
daran, Ihre Berufung zu unterstreichen, die Ihnen durch das Konzil
angedeutet wurde. Und das hat ein enormes Gewicht. Und Sie wissen,
das Konzil hat Ihnen gesagt: das Volk Gottes und Sie werden
vom Konzil ,Volk Gottes' genannt muss wahrhaft ,Zeugnis
ablegen von dem Glauben, den es in sich trägt'. Ich werde
im nächsten Vortrag darauf genau eingehen. Und ich füge
außerdem hinzu, immer im gleichen Gedankengang, was auch
noch überaus wichtig ist: bisher hatte man mir gesagt: die
Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen unter der Leitung
der rechtmäßigen Hirten. Momentan gibt es einen Ausdruck,
den uns einerseits das Konzil, anderseits Papst Paul VI. gibt:
Was ist Ihr Name? Gestern nannte ich mich ,Gläubiger', und
heute müssen Sie sich einen ,Apostel' nennen. Hier haben
wir vielleicht eine der entscheidenden Umwälzungen des Konzils.
Genau hier.
Und ich bleibe bei diesem Punkt, wenn ich sage: ,das Prinzip ist
grundgelegt': Ich zitiere hier die Ansprache Pauls VI. vor den
Mitgliedern des Laienapostolats im vergangenen Jahr (1967):
"Das Prinzip ist grundgelegt, und damit sagt man bereits,
wie wichtig es in eben jenem Text der dogmatischen Konstitution
über die Kirche ist: ,Die im Volk Gottes versammelten und
dem einen Leibe Christi unter dem einen Haupt eingefügten
Laien sind, wer auch immer sie sein mögen (beachten Sie den
Ausdruck: wer auch immer sie sein mögen), berufen, als lebendige
Glieder zum Wachstum und zur ständigen Heiligung der Kirche
beizutragen'. Diese Begriffe haben eine außerordentliche
Kraft. Ich persönlich glaube, dass man etwa ein Jahrhundert
brauchen wird, um ihre ganze Kraft auszuschöpfen. Aber schon
jetzt müssen wir uns in diese Richtung orientieren. ,So obliegt
allen Laien die ehrenvolle Bürde, dafür zu wirken, dass
der göttliche Heilsratschluss mehr und mehr alle Menschen
aller Zeiten und überall auf der Erde erreiche.' (Konstitution
Lumen Gentium, Nr. 33). Oh! das ist eine weltweite Sicht, und
der Papst fährt fort: ,Die Kirche anerkennt also den Laien
nicht nur als Gläubigen, sondern als Apostel'. Dieser Satz
beherrscht die ganzen Exerzitien. Sie kommen hierher, um ihre
Berufung als Apostel zu entdecken und auf ihre Berufung zum Apostel
zu antworten. Sie wissen, wir müssen weit mehr sein als einfach
nur ,Gläubige'. Oder aber, wir geben dem Wort ,Gläubige',
wenn Sie so wollen, seinen vollen Sinn. Dazu kommen Sie hierher,
nicht nur als Gläubige, sondern als Apostel. Die Kirche anerkennt
also die Laien, nicht nur als Gläubige, sondern als Apostel.
[Fortsetzung der Ansprache Pauls VI.] ,Und indem sie vor sich
ein fast grenzenloses Feld eröffnet, richtet [die Kirche
an die Laien] vertrauensvoll die Einladung des Gleichnisses im
Evangelium: ,Geht auch ihr in meinen Weinberg' (Mt 20,7). Diese
Arbeit wird vermehrt und erweitert werden. Nachdem das Konzilsdekret
über das Apostolat der Laien mit Festigkeit das Prinzip errichtet
hat, dass ,die Berufung des Christen von ihrer Natur her eine
Berufung zum Apostolat ist' (auch ein Satz, den man sich merken
sollte), verwendet es zwei volle Kapitel darauf, die ,verschiedenen
Felder' und die ,verschiedenen Weisen' dieses Apostolates genauer
zu bestimmen."
(Ansprache von Paul VI. vor dem 3. Weltkongress für das Apostolat
der Laien am 15. Oktober 1967).
III. Inhalt und Zusammenhang der Unterweisungen
1. « Ich werde Ihnen
eine Zusammenfassung der Lehre geben »
Ich möchte diese
Bekräftigung des Père Finet mit einem Zeugnis veranschaulichen:
« In dieser Woche habe ich diese außergewöhnliche
Zusammenfassung wiedergefunden, so vollständig, so erfüllt
von Ausgewogenheit und Frieden, von der Kraft Ihres Glaubens,
der Richtigkeit ihrer Gedanken und Ihres wunderbaren Humors. Natürlich
geht Ihnen das während des Jahres nicht verloren, aber es
ist nicht das gleiche, es ist weniger konzentriert. Jedes Jahr
mache ich Exerzitien, die für die Mitglieder des Foyers organisiert
werden, es ist immer ein Licht und eine Zeit der Innigkeit, aber
es ist nicht das gleiche wie die Exerzitien der Christenheit.
Die Exerzitien der Christenheit sind viel umfassender. Sie vermitteln
uns alles: den Vater, den Sohn, den Geist, die Kirche, die Brüder
und sich selbst ganz und gar. Ihre Erfahrung und Ihre Tiefe dringen
so sehr in uns ein, dass wir davon für das ganze Leben geprägt
bleiben. »
2. Ein anderer Hauptakzent, auf den Père Finet
großen Wert legte: die Vorträge der Exerzitien sind
eine lebendige Unterweisung, denn die Lehre ist für
das Leben da.
« Es handelt sich nicht um eine Lehre, sondern um einen
Geist, den Sie hier erleben. Ja, es ist ein Leben. Die Botschaft
Jesu ist sehr einfach und kann uns helfen, recht zu leben. Sie
berührt die Probleme des alltäglichen Lebens. Es geht
nicht um große Theologie, es geht um außerordentlich
lebendige Probleme. Im Evangelium werden Sie Antworten auf unser
Alltagsleben finden, die uns tief anrühren. In der Katechese
muss man immer die Punkte lehren, die mit dem täglichen Leben
zu tun haben, die uns helfen, recht zu leben... Die Botschaft
Jesu ist ganz lebendig. Wenn man die Botschaft Jesu vertieft,
braucht man keine großen Spekulationen anzustellen, es ist
viel einfacher: Jesus lehrt uns, recht zu leben, in einer kindlichen
und brüderlichen Beziehung, als Familie und in unseren christlichen
oder weltlichen Gemeinschaften. Man kann Jesu Botschaft in drei
Wahrheiten zusammenfassen, die sich nicht auseinander dividieren
lassen:
· Gott ist Liebe
· Sein Vater ist ebenso unser Vater
· Das göttliche Leben ist ein wirkliches Geschenk.
»
3. « Sie sind gekommen,
um Jesus persönlich zu begegnen »
« Unsere christliche
Berufung ist die Entdeckung einer lebendigen Person. Ich möchte,
dass Sie davon ab heute Abend überzeugt sind. Sie sind hergekommen,
um dem Lamm Gottes zu begegnen, in einem Geist der Armut und in
einer persönlichen Begegnung. Ich will Ihnen Jesus geben.
Sie kommen nicht hierher, um Substantiven zu begegnen. Die Religion
ist keine Ansammlung von Substantiven, die in Ihr Leben treten:
die Religion ist nicht in erster Linie die Tugend, die Frömmigkeit
nicht, dass diese Dinge unwichtig wären sondern
die Religion ist eine Person. Es ist die Person Jesus, die kommt
und sich Ihnen schenkt, die mit Ihnen in Kontakt tritt. Ich werde
Ihnen, die Sie mehr oder weniger durch den Existentialismus geprägt
sind, die Person geben, die sich uns gegeben hat, die Person Unseres
Herrn Jesus Christus. »
4. Das Schweigen
Der Père sprach
über die Notwendigkeit des Schweigens aus Liebe, «
denn lieben heißt auf ein Wesen zu horchen, aufmerksam sein
für eine Person, auf ein Herz achten, um seine kleinsten
Signale zu hören und es in seinen kleinsten Wünschen
zufrieden zu stellen. Das Schweigen der Seele ist kein selbstzufriedenes
auf sich selber Hören.
Ich fasse zusammen: Sie werden auf das Schweigen achten müssen.
Sie sind hierher gekommen, um auf den Heiligen Geist, auf die
Liebe zu hören, da braucht es die Stille, sie ist unverzichtbar.
Dieser Wunsch nach Stille ist der Wille des Himmels. »
5. Das Gebet
« Zwischen den
Vorträgen haben Sie immer eine oder anderthalb Stunden Pause.
Das ist die Zeit, in der die Exerzitien sich abspielen. Man muss
,Zeit für Gott verbrennen'. In diesen Unterbrechungen, sollten
Sie täglich eine Zeit für das Gebet, für die Betrachtung
reservieren. Das heißt, Sie sollten den einen oder Gedanken,
den Sie aus der Unterweisung, aus dem Wort Christi mitnehmen,
noch einmal aufgreifen, in der Weise, dass Sie ihn zum Ausgangspunkt
Ihres ,Wiederkäuens', Ihrer Betrachtung, das heißt
Ihres Gebetes, machen. Dies ist überaus wichtig. Ich werde
darauf zurückkommen, ich werde Sie im Lauf dieser Exerzitien
lehren, wie Sie Betrachtung halten können, denn wenn Sie
Männer und Frauen der Aktion sein wollen, müssen Sie
Männer und Frauen der Kontemplation sein. Heutzutage sagt
man nicht Aktion oder Kontemplation, man spricht von Kontemplation
und Aktion. Man setzt das ,und' und nicht das ,oder'. Sie sind
nicht für die Aktion oder für die Kontemplation, Sie
sind als Laien für beides.
Exerzitien sind im wesentlichen eine Angelegenheit des Gebetes.
Die Anleitungen haben ihren Wert nur in dem Maß, als sie
auf das Gebet vorbereiten. »
6. « Alles in allem:
Sie sind hier für eine Wieder-Geburt »
« Sie sind hierher
gekommen, um mehrere ,wieder' aufzusammeln: um die Dynamik Ihres
Denkens, Ihrer Intelligenz, Ihres Blickes, Ihrer inneren Stärke
wieder zu erneuern, kurz und gut: um wieder-geboren zu werden.
Man muss ständig von neuem geboren werden, also neu anfangen.
Denn das Leben ist eine Reihe von Krisen, die sich lösen,
von Endpunkten und Neuanfängen. Die berühmte Krise zwischen
18 und 25, die Krise mit 40 Jahren (,man bricht sich oder man
bräunt sich!'). Wir müssen wieder geschaffen werden,
um wieder aufzubrechen. »
Ich möchte zum Abschluss dieser kurzen Vorstellung unserer vorrangigen Sendung betonen, wie sehr die Bischöfe, die ich heute auf dem einen oder anderen Kontinent besuche und die ein Foyer de Charité in ihrer Diözese oder weiter entfernt in ihrem Land haben, die langfristigen Früchte all dieser Exerzitien schätzen. Diese Früchte sind Männer und Frauen, die jetzt als Christen, als ausgebildete Christen, in ihrem Lebensumfeld, ihrem Beruf, ihrer Verantwortung, ihrem Apostolat in der Welt und der Kirche stehen. Damit diese Exerzitien und ihre langfristigen Früchte weiter gehen können, bitten die Bischöfe einen Priester, nach Châteauneuf zu kommen und hier und in anderen Foyers die besondere Gnade zu entdecken, auf die sich alle Foyers und ihre Exerzitien stützen. Diese Fundamentalexerzitien sind unser "Kleinod", so wie der Prophet Ezechiel seine Frau als "die Freude seiner Augen" , wie Gott der Herr selbst Jerusalem als "die Freude seiner Augen" betrachtete (Ezechiel 24,16 und 21).
Ich schließe mit einem
Gebet von Marthe für die Exerzitienteilnehmer, während
einer Woche im August 1937:
« Mein Gott, du hast schon solche Gnaden und Segnungen über
unsere Exerzitien ausgebreitet. Ich bitte dich, breite weiter
über alle diese Seelen deine ganz himmlischen Gunsterweise
aus. Blicke erneut mit einem langen Blick der Liebe auf alle diese
Seelen. Lass sie verstehen, wie sehr man oft sterben muss, um
ganz zu leben."
Oh liebe Mutter, trage sie alle mit dir in die Dreifaltigkeit.
Mögen sie jeden Tag ein wenig besser verstehen, damit sie
vollkommen verstehen. »
P. Bernard MICHON